Frische oder gefrorene Embryonen – was ist besser?

Die Leiterin unseres Labors, hat uns heute die Ergebnisse des letzten Jahres präsentiert und ich bin sehr erstaunt, da die Schwangerschaftsrate pro Transfer mit frischen Embryonen genauso hoch ist wie mit gefrorenen (vitrifizierten) Embryonen.

Selbst bei Embryonen, die zweimal eingefroren worden sind! Diese Situation gibt sich, wenn mehr Embryonen aufgetaut, als  schließlich übertragen werden und diese werden dann in einer Kultur bis zum  Blastozystenstadium belassen und dann erneut vitrifiziert.

Ich hätte nie gedacht, dies in meinem Berufsleben mit eigenen Augen zu erleben. Dies bedeutet einen enormen, medizinischen Fortschritt:

  •  Erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus. Wir sprechen von einem Zyklus, wann immer eine Eizellenpunktion stattgefunden hat. Dies bedeutet, dass in der Mehrzahl der Fälle keine weitere Punktion nötig wird, um eine zweite Schwangerschaft anzustreben.
  • Die Zahl an Mehrlingsschwangerschaften kann reduziert werden. Oft, auch wenn eine Schwangerschaft mit einem Kind gewünscht wird, bitten uns die Patienten, mehr als einen Embryo zu transferieren, um so den Qualitätsverlust beim Einfrieren zu vermeiden.
  • Wenn nach der Eizellenpunktion die  Patientin die Behandlung aus familiären oder medizinischen Gründen nicht fortführen kann, wird es keine Rolle spielen, den Transfer nicht mit frischen Embryonen machen zu können. Dies ist vor allem bei Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom entscheidend, da diese ein erhöhtes Risiko für das Überstimulationssyndrom haben.
  • Letztes Jahr wurden verschiedene Studien veröffentlicht, die zeigen, dass sogar bessere Ergebnisse mit gefrorenen Embryonen erzielt wurden, da die Vorbereitung des Endometriums physiologischer ist. Es wird vorgeschlagen alle Embryonen einzufrieren und keinen Transfer mit frischen Embryonen zu machen. Soweit würde ich jedoch nicht gehen, da es den Prozess verlängert und verteuert. 

Die Patienten können es noch nicht glauben. Letzte Woche sagte ein sehr sympathischer Ehemann zu mir: „Wie kann es dasselbe sein? Selbst bei einem Seehecht merkt man den Unterschied!“

Nun, unsere  Pflicht war es darüber zu informieren.

Die  große Herausforderung  Blastozysten zu  vitrifizieren 

Ich habe Ihnen ja bereits berichtet, wie gefrorene Embryonen leben.  Für die Biologen war es am schwersten, Blastozysten zu vitrifizieren. Die Blastozysten sind 5 bis 6 Tage alte Embryonen.

Sie bestehen aus einer Zellmasse von 200 Zellen, aus der sich später alle Strukturen des Embryos entwickeln; dem Embryoblast.

Die anderen Zellen, der sogenannten Trophoderm, entwickelt sich später zur Plazenta.

Zudem haben sie eine sehr große Wasserlagune, der Blastozele, und eine äußere Membran, die kurz davor ist aufzubrechen, da das Blastozystenstadium, das Stadium ist, bevor der Embryo in der Gebärmutter implantiert.

DE-Leyenda

Die besondere Schwierigkeit Blastozysten zu gefrieren, beruht auf der großen Wassermenge, aus der sie bestehen. Zu Hause kann man problemlos ein Huhn gefrieren, aber nicht ein Ei.

Um die Blastozysten mit Erfolg zu vitrifizieren, müssen die Biologen zuvor die Flüssigkeit entfernen, entweder durch Aufstechen, oder durch eine chemische Lösung, die die Flüssigkeit „aufsagt“ und wie Sie sehen, ohne den Embryonen dabei zu schaden.

Da bislang kein Video darüber publiziert wurden ist, habe ich unsere Biologen gebeten, diesen Prozess zu filmen, in dem die Blastozysten in das EmbryoScope platziert wurden.

Zuerst sieht man, wie sie ohne Wasser verbleiben und dann rehydriert und so als ob nichts passiert wäre! Die Bilder sind im Zeitraffer; der beschriebene Prozess dauert Stunden.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: