Leihmutterschaft

Die Leihmutterschaft oder Surrogatmutter hat in diesen Tagen in Spanien aufgrund von zwei Fällen für Schlagzeilen gesorgt; ein asturisches Paar, denen nicht erlaubt wurde, die durch eine Leihmutter in Indien geborenen Zwillinge nach Spanien zu bringen und ein homosexuelles Paar von den Balearen, die gleichzeitig eine Leihmutterbehandlung in Thailand durchgeführt hatten und nun Fünflinge! erwarten (eine Leihmutter erwartet Zwillinge und die andere Drillinge).

Ich würde Ihnen gerne etwas dieses Thema kommentieren und Ihre Meinung dazu hören. Ich denke die Frage ist sehr wichtig und zugleich kontrovers und kann von verschiedensten Standpunkten aus betrachtet werden.

Werden Nachrichten über Reproduktionsmedizin publiziert, werde ich oft von den Medien kontaktiert, um diese Notizen zu kommentieren.
Heute, vor einem Radiointerview, habe ich Anmerkungen durchgesehen, die ich vor 10 Jahren geschrieben hatte und ich war sehr erstaunt, wie sehr sich meine Meinung seitdem geändert hat.
Für mich war die Leihmutterschaft schrecklich, ein Vorgang bei der eine Frau in Not ihren Körper benutzt. Heutzutage helfe ich, wenn ich danach gefragt werde.
Diese Meinungsänderung hat sich aufgrund verschiedenster Situationen vollzogen, die ich direkt miterlebt habe (wie z.B. das Schicksal eines Mädchens, dessen Sohn bei der Geburt starb und der aufgrund der Blutungen die Gebärmutter entfernt werden musste) und ebenso nachdem ich die liebende und hingebungsvolle Haltung der Leihmütter mit eigenen Augen erfahren konnte.

Wo ist sie möglich?

In rechtlicher Hinsicht wird in Europa die Herkunft des Kindes durch die Geburt bestimmt; das Gesetzt verbietet die Leihmutterschaft.
Die Ausnahme bildet England. Hier ist die Leihmutterschaft erlaubt, wenn eine familiäre Beziehung zwischen beiden Frauen existiert, keine finanzielle Vereinbarung getroffen wurde und beide britischer Abstammung sind. Mit dem gleichen Recht bekam in Australien eine 48-jährige Frau Drilling für ihre Tochter.

Auch in anderen Staaten wie USA, Kanada, Russland und der Ukraine ist die Leihmutterschaft erlaubt ebenso wie Indien und Thailand. Bei den beiden letzteren besteht jedoch das Problem darin, das Kind danach nach Europa zu bringen, da Dokumente verlangt werden, die derzeit schwer zu erhalten sind.

In den letzten Jahren bis Januar 2013 wurden in Indien sehr viele Leihmütterbehandlungen durchgeführt. Zum einen lag es an den niedrigen Kosten und zum anderen kümmerten sich die Zentren in einem Rundumpaket um die Auswahl und die Betreuung der Leihmütter bis zur Geburt.
Ich schätze, dass Indien wieder das bevorzugte Zielland werden wird, sobald sich die gesetzliche Lage erneut ändert.

Wer benötigt eine Leihmutter?

Ständig betreuen wir Personen, die uns um weitere Informationen bitten; wo und wie man eine Behandlung durchführen kann.
Zum einen fragen uns Paare oder alleinstehende Frauen, die aus medizinischen Gründen keine Schwangerschaft austragen können (da die Gebärmutter entfernt wurde, da sie bereits mit einer Fehlbildung der Gebärmutter geboren wurden, Medikamente einnehmen müssen, die nicht mit einer Schwangerschaft kombiniert werden können oder einer Krankheit, bei der eine Schwangerschaft kontraindiziert ist).
Einige Leute denken auch, dass es Frauen gibt, die das Risiko vermeiden wollen, ihrer  Figur zu schaden. Ich denke, diese Annahme beruht auf einer frivolen Unwissenheit; habe ich persönlich doch noch nie so eine Anfrage bei einer Visite erhalten.
Desweiteren wird die Leihmutterschaft von homosexuellen Männern, alleinstehend oder als Paar sowie alleinstehenden, heterosexuellen Männern angefragt. Zunehmend bestehen auch alleinstehende Männer auf ihr Recht auf Vaterschaft. Sie kennen sicherlich viele Fälle von Prominenten, die es getan haben.

Aus welchem Grund stellt sich eine Frau als Leihmutter zur Verfügung?

Welche Art von Frau ist in der Lage sich einer Reproduktionsbehandlung zu unterziehen, die Schwangerschaft und die Geburt zu leben und dann das Neugeborene einer anderen Person zu geben?

In einer auf einem internationalen Kongress präsentierten Studie hat sich gezeigt, dass bei den Leihmüttern keine psychischen Folgeschäden auftreten und dass das Motiv in 91% der Fälle darin besteht, anderen zu helfen,  bzw. den eigenen Kindern zu helfen und in 8% aufgrund des Vergnügens schwanger zu sein (wir Gynäkologen gehen jedoch meist davon aus, dass eine Schwangerschaft kein Vergnügen ist, sondern das Gegenteil und dass das Vergnügen darin besteht, dass Kind zu bekommen) und nur in 1% aufgrund der finanziellen Entschädigung.

Soweit ich das in den letzten Jahren beobachten konnte, stellen sich die Frauen als Leihmütter zur Verfügung, um ihre eigenen Kinder zu unterstützen. Sie sind sehr stolz darauf und erleben es nach dem Motto: „Ich helfe dir ein Kind zu bekommen und du hilfst mir, mein Kind aufzuziehen“.

Ein so empfangenes Kind kann drei Mütter haben, die biologische Mutter (die, die Eizellen zur Verfügung gestellt hat), die Mutter, die die Schwangerschaft gelebt hat und die soziale Sorgemutter, die das Kind aufziehen wird. Es könnte auch sein, dass es einen Sorgevater gibt.

Die Frau, die die Schwangerschaft austrägt, ist in der Regel nicht die biologische Mutter. Die Eizellen stammen meist von der Sorgemutter oder von einer Eizellenspenderin. Zudem haben die meisten Leihmütter bereits eigene Kinder, um das Risiko zu umgehen, dass sie durch Komplikationen bei der Geburt, steril werden.

Welche Beziehung entsteht zwischen der Frau und den Eltern des Kindes?

Die Beziehung zwischen den Sorgeeltern und der Leihmutter unterscheidet sich je nach Land und Kultur.
In den USA und Kanada ist es erlaubt, sich kennenzulernen und die Beziehung zu führen, die gemeinsam beschlossen wurde. Eine ständige Kommunikation, oft per Internet, sogar Besuche oder gelegentlich Geschenke sind häufig, jedoch ist auch eine anonyme Beziehung möglich. In diese Ländern werden die Regeln von der Leihmutter aufgestellt, die sogar die Sorgeeltern aussuchen kann.
Nach der Geburt wird in einem Schnellverfahren der Vertrag der „temporären Adoptivmutter“, sprich der Person, die das Kind in der Zeit versorgt, in dem die Sorgeeltern dazu nicht in der Lage sind, sprich der Schwangerschaft, unterschrieben. Ich kenne Patienten, die nach diesem Gerichtsverfahren, eine Woche nach der Geburt, gemeinsam zu einer Grillfeier in das Haus der Leihmutter gefahren sind.

Die emotionale Unterstützung ist in diesen Fällen sehr wichtig und in diesen Ländern übernimmt diese Funktion die Leihmutteragentur und die Sorgeeltern.
In Indien und Thailand kümmert sich das Zentrum um die Leihmütter, die sogar in eigenen Residenzen bis zur Entbindung leben. Eine Kommunikation mit den Sorgeeltern gibt es nicht. Die Sorgeeltern erhalten aus Thailand oder Indien das Profil (mit Foto, Kranken- und Familiengeschichte) von drei möglichen Kandidatinnen zur Auswahl. Wenn mich Patienten um Rat fragen, welche Kandidatin ausgewählt werden sollte, so fühle ich mich sehr schlecht und empfehle, dass diese Entscheidung vom Zentrum getroffen werden sollte. Nach der Entbindung müssen Papiere vor Gericht und bei der Polizei unterzeichnet werden. In den meisten Fällen verlässt das Kind das Land als Kind der Leihmutter und des Sorgevaters. Später dann in Europa adoptiert die Sorgemutter das Kind.

Wirtschaftliche Fragen

Der Prozess einer Leihmutterschaft wird in verschieden Phasen abgewickelt und es gibt Gebühren für jeden einzelnen Teil des Prozesses und der entsprechenden Entwicklung mit einer Skala von Extras wie Amniozentese oder Zwillingsschwangerschaft etc.

Der Betrag, den die Leihmutter erhält, ist weniger als Sie denken. Das meiste Geld wird für Anwälte, Agenturen, Arztkosten der Reproduktionsmedizin, Geburt und Inkubator wenn notwendig, sowie Versicherungen und Reisen verwendet.

Zur Orientierung: eine Leihmutterbehandlung, wenn alles gut beim ersten Mal klappt, kann ca. 50.000 Euro in Indien oder Thailand sowie das Doppelte in den USA und in anderen Ländern ein Betrag zwischen beiden kosten.
Offensichtlich gibt es viele Personen, die obwohl sie es mit ganzem Herzen wünschen, sich leider finanziell nicht leisten können.

Was muss man beachten?

Es ist wichtig, einen auf dieses Thema spezialisierten Anwalt im Land der Eltern zu engagieren und vorzugsweise auch einen Spezialisten in Reproduktionsmedizin, der bereits viele Fälle betreut hat und sich mit den  medizinischen Aspekten der Klinik auskennt.
Es gibt viele Patienten, die eine Leihmutterschaft privat über das Internet organisiert haben und leider betrogen worden sind.
Mit den Patienten, die ich bei diesem Abenteuer begleiten durfte, habe ich die unterschiedlichsten Erfahrungen machen können: negative Erfahrungen aufgrund wiederholter Fehlversuche oder eine ablehnende Haltung des Zentrumspersonals, weil der Ehemann im Rollstuhl anreiste, um den Behandlungsprozess zu beginnen. (in ihrer Kultur wird Krankheit als göttliche Strafe betrachtet) und fantastische Erfahrungen, dass Kind endlich im Arm halten zu können.

Fragen für das Streitgespräch

Ohne Zweifel generieren die  wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritte wie die Leihmutterschaft eine soziale, kulturelle und rechtliche Debatte. Klar ist, dass nicht alles technisch Machbare auch moralisch akzeptabel ist.

Was halten Sie auf ethischer Ebene von der Leihmutterschaft?

Glauben Sie, dass die Risiken und Unannehmlichkeiten einer Schwangerschaft mit Geld bezahlt werden können oder besser gesagt, sollte man es als eine  gegenseitige Hilfe betrachten?

Wie würden Sie die Gesetzeslage in Ihrem Land definieren? Würden Sie die Leihmutterschaft in allen Fällen erlauben, nur in einzelnen Fällen oder nie?
Würden Sie für Ihre Schwester eine Leihmutterschaft übernehmen?

2 Bewertungen

  1. MariaWagner Antworten

    Das ist ein natürlicher Wunsch ein eigenes Kind zu haben. Ich kann verstehen was die Paaren, die eigene Kinder nicht bekommen können, fühlen. Ich würde auch alles tun um mein eigenes Kind zu haben, wenn auch nur durch Leihmutterschaft. Die Ärzte haben meiner Schwester gesagt, dass die Schwangerschaft für sie risikoreich ist. Sie ist in eine tiefe Depression gefallen. Wir haben über eine ukrainische Klinik der Reproduktionsmedizin BioTexCom gehört und sie hat wieder die Hoffnung durch Leihmutterschaft Mama zu werden. Es ist schade, dass man Leihmutterschaft in Deutschland nicht machen darf und meine Schwester muss dafür ins Ausland fahren. Ich hoffe durch Leihmutterschaft wird sie ihr Wunsch erfüllen.

    • Dr. Marisa López-Teijón Antworten

      Sehr geehrte Frau Wagner,
      Vielen Dank, dass Sie Ihre persönlichen Erfahrungen mit uns teilen. Wir hoffen, dass sich der Wunsch nach einem eigenen Kind für Ihre Schwester sobald als möglich erfüllt.
      Mit freundlichen Grüßen.

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